F A Q &
Planung von Rewe

Der Standort Henstedt-Ulzburg!

Warum möchte Rewe unbedingt nach Henstedt-Ulzburg?

Das Lager könnte auch in der Nähe vom Kreuz A7/B206 entstehen (http://nordgate.de/angebot.html?ort=BAD-BRAMSTEDT#expose;1;25;7485c8e498;27225076;2;19;-1). Zitat Rewe-Infoseite: „Wir dürfen nicht zu weit von Norderstedt entfernt sein, weil unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Verwaltung mit nach Henstedt-Ulzburg umziehen werden.

Wer mag schon lange Arbeitswege? Henstedt-Ulzburger können ein Lied davon singen. Aber soll H-U die hohen Risiken der Ansiedlung auf sich nehmen, damit 377 Bürobedienstete bequem und schnell zur Arbeit kommen? Wir denken, daß dies kein Problem ist, welches unsere Großgemeinde zu lösen hat!

(http://rewe-hu.de/faqs/, dann „Projekt“ anklicken und „Warum will REWE das Regionallager in Henstedt-Ulzburg bauen?“ aufklappen. Stand 15.08.2017)

(http://rewe-hu.de/faqs/, dann „Arbeitsplätze“ anklicken und „Wie viele Arbeitsplätze werden im Zuge des Neubaus von Norderstedt nach Henstedt-Ulzburg verlegt?“ aufklappen. Stand 15.08.2017)

Das Rewe-Lager könnte gegenüber in Kaltenkirchen oder in anderen Nachbarorten gebaut werden.
Dann haben wir weder Steuereinnahmen noch Einflussmöglichkeiten, oder?

Unsere Rückfrage bei der Stadtverwaltung Kaltenkirchen ergab: Keine ausreichend großen Flächen verfügbar!Norderstedt hat auch keine Flächen angeboten, das ist der Anlass für Rewe, nach H-U umziehen zu wollen. Zitat Infoseite Rewe: „In Norderstedt haben wir so ein Grundstück nicht gefunden. Also mussten wir nach einer Alternative suchen.“
(http://rewe-hu.de/faqs/, dann „Projekt“ anklicken und „Warum will REWE das Regionallager in Henstedt-Ulzburg bauen?“ aufklappen. Stand 15.08.2017)Die Gewerbeflächen in H-U, Norderstedt und anderer Ortschaften entlang der A7 werden durch Nordgate vermarktet. Recherchiert man dort, findet man gute Alternativen:

  • in Quickborn (offenbar an der Pascalstraße) eine etwas kleinere Fläche; die Pascalstraße führt direkt zur A7 und ohne abzubiegen bis zur Schleswig-Holstein-Straße; durch H-U müsste ein Rewe-LKW wohl nur fahren, um hier ansässige Rewe-Filialen zu beliefern. Was auch in unserem Sinne als Konsumenten ist. Ansonsten wären die Fernstraßen immer günstiger.
  • in Bad Bramstedt eine ähnlich große Fläche; direkt an der B206-Ortsumgehung, mit Anschluss an die A7. Hier säße Rewe wie die Spinne im Netz und könnte überall hin auf Fernstraßen fahren. Später sogar auf der A20.

 

Wozu soll die große Reservefläche dienen? Kommt da noch mehr Lager und Verkehr?

Rewe sagt dazu auf deren Infoseite, das man die Reserve brauche, um auf Marktentwicklungen reagieren zu können. Was ist die große Marktentwicklung, die derzeit den Lebensmittel-Einzelhandel umtreibt? Der Online-Supermarkt! Aktuell beschickt Rewe das von HH-Billbrook, aber der Markt für Lebensmittel-Versandhandel beginnt zu wachsen. Und Rewe versucht wacker, Amazon Fresh hier die Stirn zu bieten. Das Problem bei der Logistik hierfür ist, das sie anders funktioniert als die Waren-Distribution in die Filialen. Als Lösung wird derzeit gesehen, neben das Filial-Lager noch eine Halle für den Online-Supermarkt zu stellen und diese neue Halle aus der Sicht der Filialdistribution wie eine Quasi-Filiale zu beliefern. Und diese Sonderhalle kommissioniert dann die Pakete für die Lebensmittelbestellungen und fertigt die zahlreichen kleinen Lieferwagen ab (die als Klasse B-Fahrzeuge (früher Klasse 3) nicht von dem Durchfahrtverbot betroffen wären). Hier wird erklärt, wie man beide Logistikarten zusammen bringt: DVZ.de
Nun gewinnt man schon eine bessere Idee davon, was mit der Reservefläche noch geschehen könnte. Unser Stauproblem verschärft sich dann weiter enorm.

 

 

Verkehrsbelastung

Rewe bietet nun an: Durchfahrtverbot für die täglich 134 LKW durch die Ortsdurchfahrten in Henstedt-Ulzburg. Außer bei Stau auf der A7. Problem gelöst?

Nehmen wir an, das wird auch eingehalten:

  • Dann fahren die LKW also nicht mehr durch H-U, dafür aber notgedrungen durch Kisdorf und hinter Kisdorf über die Dörfer. Ist das ein fairer Umgang mit unseren Nachbarn? Wir denken, das St.-Florians-Prinzip ist keine Lösung.
  • Was passiert, wenn Rewe unter wirtschaftlichen Druck gerät und die wohlfeilen Abmachungen plötzlich eine lästige Profit-Bremse darstellen? Oder das Management wechselt und man fühlt sich nicht mehr an das Durchfahrtverbot gebunden?
    Dann können die Karten schnell neu gemischt werden. Das Risiko liegt immer bei uns Henstedt-Ulzburgern.

Nehmen wir an, Rewe interpretiert die Regelung freier als wir Einwohner:

  • Wo fängt Stau an? Wenn die LKW auf der A7 nicht 80 Km/h schnell fahren können? Wenn 60 Km/h unterschritten werden? Gilt das nur direkt am A7-Zubringer Henstedt-Ulzburg, oder auch schon, wenn irgendwo auf der A7 ein Stau ist?
  • Wer kontrolliert das? Sollte im Rathaus jemand dafür eingestellt werden, wer bezahlt diese Stelle dann? Oder kontrolliert Rewe sich dann selbst? Die Banken oder die Autoindustrie zeigen uns immer wieder: Selbstkontrolle funktioniert nicht!
  • Strafzahlungen bei Verstößen erfordern den Beweis eines Verstoßes und ein Abrechnungssystem. Wer bearbeitet das auf wessen Kosten?
  • Gibt es Streit, geht es möglicherweise vor Gericht. Bis alle Instanzen ausgeschöpft sind, kann es Jahre dauern und extrem teuer werden. Ist eine Großgemeinde wie H-U einem Konzern wie Rewe ebenbürtig?
  • Wollen wir wirklich, das sich unsere arbeitsüberlastete Verwaltung mit solchen Aktivitäten beschäftigt, anstatt mit öffentlichen Dienstleistungen für uns Anwohner
  • Funktioniert so ein Modell anderswo? Wir kennen kein Positivbeispiel, dafür aber eins, wo es nicht funktioniert! Die Ortsstraßen werden trotz Durchfahrtverbot befahren. Die lärmgeplagten Bürger stehen schutzlos da und haben kein Instrument in der Hand, daran etwas zu ändern. Das Durchfahrtverbot ist dort nur ein wertloses Papier, weil seitens der Kommunalverwaltung kein Interesse besteht, die Vereinbarung durchzusetzen. Auch die LKW-Fahrer werden nicht primär unser Wohlbefinden priorisieren, da sie unter hohem Zeitdruck arbeiten. Dies führte in Leverkusen schon zu aktivem Widerstand gegen ein Brückenfahrverbot.
    Auch wir wären hierbei auf den guten Willen von Rewe, der LKW-Fahrer und das Engagement durch unser Rathaus angewiesen. In Zeiten der Arbeitsüberlastung ein riskantes Vorhaben.
  • Ob der A7-Ausbau das Stauproblem löst, ist fraglich. Das bestätigt auch Rewe. Zitat Rewe-Infoseite: „Jeder, der zu Stoßzeiten den Elbtunnel nutzen muss, wird uns beipflichten: Der Elbtunnel ist ein Nadelöhr. Damit unsere Waren schneller, einfacher und dadurch auch frischer ausgeliefert werden können, brauchen wir ein Lager nördlich des Elbtunnels.“
    (http://rewe-hu.de/faqs/, dann „Projekt“ anklicken und „Warum braucht REWE ein neues Regionallager und einen neuen Verwaltungsstandort überhaupt?“ aufklappen, Absatz „Regionallager„. Stand 15.08.2017)

Viel Pendlerverkehr kommt in jedem Fall, richtig?

Das GGR-Gutachten (Folie 129, hier klicken) geht von einem werktäglichen PKW-Verkehrsaufkommen von 2.072 aus. Das ist auch nicht besser als bei der Rewe-Ansiedlung. Dies bedeutet aber nicht, das Henstedt-Ulzburg nun zwingend wählen muß zwischen Rewe oder einer ortsüblichen kleinteiligen Gewerbeansiedlung mit 41% Logistikanteil (dies ist das Vergleichsszenario im GGR-Gutachten). Man muss festhalten:

  • Das Gutachterbüro GGR hat selbst vor der Annahme von 41% Logistikanteil abgeraten, da dies erst dann der Fall wäre, wenn das Netto-Lager (derzeit im Bau) in Betrieb geht. Aber die Mehrheit in der Gemeindevertretung wollte es so.
  • Es gibt jederzeit die Option, dort weder Rewe noch kleinteiliges Gewerbe anzusiedeln. Stattdessen würde sich anbieten, dort Unternehmen einen Platz einzuräumen, die Arbeitsplätze für die Menschen bieten können, die heute jeden Tag im Stau nach Hamburg stehen. Sobald von diesen Auspendlern mehr und mehr zu den Neuansiedlungen wechseln, bieten sie ein Potential für den schon länger angedachten Bürgerbus.
  • Legt man also die Struktur der Berufe von in H-U wohnhaften Menschen bei der Auswahl von Gewerbebetrieben zugrunde und organisiert angesichts der innerörtlichen Staubelastung den Verkehr Richtung Gewerbegebiet intelligent mit öffentlichen Verkehrsmitteln, hätte man mehrere Chancen zugleich genutzt: Bürgern das Pendeln erspart, den Stau reduziert und den Bürgerbus mit Kunden versorgt und so überhaupt ermöglicht. Von großem Nutzen dann auch für Teenager und Rentner, die über kein eigenes Auto verfügen.
  • Dies erfordert jedoch eine weit ambitioniertere Gewerbeförderung als lediglich Grundstücke zu verkaufen. Dazu fehlt in H-U bislang der ganzheitliche Ansatz. Deshalb möchten wir das Rewe-Vorhaben stoppen und so die Chance erhalten, in Henstedt-Ulzburg eine Ortsentwicklung über alle Parameter zu betreiben. Dies ist schon länger in der Diskussion unter der Bezeichnung IGEK (Integriertes GemeindeEntwicklungsKonzept). Jedoch ist dieses bislang nicht zustande gekommen. Derweil wird fleißig neu gebaut und die Ansiedlung des Rewe-Lagers vorangetrieben, womit konzeptioneller Spielraum für das IGEK verschwendet würde.

Werden die LKW-Fahrer unter Druck gesetzt, oder haben die genug Zeit, sich an die getroffenen Regelungen zu halten?

Die Gewinnmargen im Lebensmittel-Einzelhandel sind schon heute gering. Aber wo immer bislang Amazon in einen Handelsmarkt eingestiegen ist, ging es mit dem Preisdruck erst richtig los. Amazon Fresh ist in HH gestartet, was von einem neuen hochautomatiserten Lager in Winsen/Luhe operiert. In den USA gibt es den Online-Supermarkt schon länger. Amazon hat sich dort eine Großhandelskette gekauft, um den Einkauf besser erledigen zu können. Und startet sofort mit massiven Preissenkungen! Gut für den Verbraucher, schlecht für Konkurrenten. Einer davon ist bei uns in Deutschland: Rewe. Wir der sich daraus abzeichnende Preisdruck niemals die LKW-Fahrer erreichen? Jede Erfahrung spricht dagegen, die LKW-Fahrer in Deutschland sind auch heute schon unter massivem Zeitdruck. Das wird sich durch die neue Situation kaum bessern: Handelsblatt
Wir sollten wohl lieber keine allzu großen Hoffnungen darauf setzen, das vertragliche Regelungen die Rewe-LKW aus dem Ort fernhalten. Zumal das Rathaus das ja überhaupt kontrollieren müsste. Ist der Wille dazu gegeben? Und Ressourcen, um das technisch durchzuführen? Wir denken das nicht und sehen die einzige Absicherung dagegen in der Verhinderung dieses Riesenlagers.

 

Steuereinnahmen? Fehlanzeige!

Was ist mit Steuereinnahmen? Können wir damit dann LKW-geplagte Straßen sanieren? Oder bezahlbare Wohnungen für Rewe-Mitarbeiter?

  • Gewerbesteuer-Einnahmen werden erzielt, wenn auch wenig in Bezug auf die riesige Fläche. Brutto sollen es im Mittel 250.000 € werden. Aber jeder kennt es vom Lohnzettel: Vom Brutto bleibt wenig Netto. Da H-U auch noch eine Kreisumlage zahlen und in einen Ausgleichstopf für finanzschwache Gemeinden einzahlen muss, bleiben am Ende im Mittel nur 35.000 € für uns übrig. (Gutachten Folie 60)
  • Mit diesen 35.000 €/Jahr müssten wir dann die häufiger kaputt gefahrenen Straßen sanieren, wenn doch oft Stau auf der A7 ist. Reicht es nicht (sehr wahrscheinlich), müssen die Steuern dafür herhalten, die wir alle hart erarbeitet haben. Oder es erfolgen Einsparungen anderswo, Jugend und Soziales sind beliebte Streichposten.
  • Die Einnahmen aus den anderen Gewerbeflächen Henstedt-Ulzburgs liegen um den Faktor 8 bis 10 höher. Das Gewerbesteueraufkommen spricht somit nicht für Rewe.
  • Einkommensteuern von Mitarbeitern fallen am Wohnort an. Wieviele Mitarbeiter im bestehenden Lager in Norderstedt wohnen derzeit in H-U? Nur 14!
    (277 wohnen im Umkreis von 40 km um H-U herum. Davon kommen 5% direkt aus H-U, also 277×5%=13,85, gerundet sind es also 14 Mitarbeiter.
    http://rewe-hu.de/faqs/, dann „Arbeitsplätze“ anklicken und „Woher kommen die REWE Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort Norderstedt?“ aufklappen. Stand 15.08.2017)
  • Und wenn noch neue Jobs hier in H-U geschaffen und auch durch Bewerber aus unserer Großgemeinde besetzt werden? Dann wird es geringfügig besser, denn die eigene Erwartung von Rewe beträgt: 96 neue Jobs insgesamt (siehe FAQ-Beitrag zum Thema „neue Arbeitsplätze“). Bei 3% Arbeitslosenquote in H-U ist das Bewerberpotential allerdings begrenzt. Davon sind 34 Stellen Bürojobs, der Rest liegt im Logistikbereich mit potentiell geringerer Lohnsumme. Bei 2.550 € Bruttogehalt/mtl. x 12 kommt überschlägig eine Lohnsteuersumme von 6.400 €/Jahr heraus (Steuerklasse 1/keine Kinder), davon erhalten Gemeinden 15% (Gemeinschaftssteuern, Art. 106 GG), also 6.400×15%=960 €. Plus 12% der Zinsabschlagsteuern, falls die Menschen fleißig sparen können. Plus 2,2% am MwSt.-Aufkommen.
    Nehmen wir an, es sind glatt 1.000 €/Mitarbeiter, und die Hälfte der neuen Jobs gehen an Einwohner von H-U. Dann haben wir 96×50%x1000 €=48.000 €.
  • Insgesamt können wir also mit 35.000 € verbleibender Gewerbesteuer plus 48.000 € Steueranteil durch Mitarbeiter erwarten. 35.000+48.000=83.000 € pro Jahr für H-U.
  • Damit müssten wir dann kaputt gefahrene Straßen sanieren, wenn doch oft Stau auf der A7 ist. Und noch mehr geförderte Wohnungen bauen, sollten gering entlohnte Neu-Mitarbeiter erst nach H-U ziehen wollen. Obwohl heute schon 500 Wohnungen fehlen.
  • Alternative Gewerbeansiedlungen weisen laut GGR-Gutachten eine höhere Anzahl von Arbeitsplätzen und somit eine höhere Einnahme aus Einkommensteuer aus. Das Einkommensteueraufkommen spricht somit ebenfalls nicht für Rewe.
  • Und die Grundsteuer: Das GGR-Gutachten geht von einem Gleichstand aus, zwischen dem Gebäudewert von Rewe oder der alternativen, kleinteiligeren Gewerbeansiedlung. Beim Grundsteueraufkommen wirft Rewe also nichts in die Waagschale, was wir nicht auch anderweitig erzielen könnten.
  • Wir denken daher, das der Faktor Steuereinnahmen beim besten Willen nicht geeignet ist, eine Ansiedlung von Rewe zu rechtfertigen.

Arbeitsplätze

Wieviele neue Arbeitsplätze schafft Rewe für Henstedt-Ulzburger?

Das Gutachten (hier klicken) weist auf Seite 101 aus: Es sind nur 15-25 neue Jobs, die von Henstedt-Ulzburgern besetzt werden.
Die Infoseite von Rewe spricht von 367 neuen Jobs. Bei näherem Hinsehen sind es aber weit weniger:

  • 34 neue Bürojobs
  • 123 „neue“ Logistikjobs, davon kommen aber 50% von einem Rewe-Standort in Stelle (LK Harburg) zu uns; somit sind es nur 62 wirklich neue Logistikstellen
  • 119 weitere Logistikjobs, jedoch bei externen Dienstleistern; die kommen nicht zwingend aus H-U (was Rewe zweifellos hervorgehoben hätte), bilden also keinen Vorteil für H-U; somit 0 wirklich neue Logistikstellen durch Dienstleister in H-U
  • 91 besetzte Stellen, die aber bis 2025 durch Verrentungen frei werden sollen; die Stellen existieren also bereits und stehen einer Bewerbung durch Henstedt-Ulzburger (am Standort Norderstedt) schon jetzt zur Verfügung; somit 0 wirklich neue Stellen aus dieser Quelle
  • 34 + 62 + 0 + 0 = 96 wirklich neue Stellen
  • da Henstedt-Ulzburg eine Arbeitslosenquote von 3% aufweist, erscheint uns aufgrund dieses geringen Arbeitskräftepotentials die Einschätzung aus dem Gutachten (im Mittel 20 neue Jobs für Henstedt-Ulzburger) deutlich plausibler als die Angaben von Rewe.

Obige Betrachtung zeigt: Arbeitsplätze entstehen für Henstedt-Ulzburger kaum, Rewe bildet hier ebenfalls keinen Vorteil für unsere Gemeinde!

Gibt es Risiken für die Arbeitsplätze durch Automatisierung?

Amazon ist der Trendsetter bei neuen Geschäftsmodellen im E-Commerce. Gerade hat A. auch die Belieferung mit Lebensmitteln in Hamburg gestartet. Dank eines neuen Logistikzentrums in Winsen/Luhe. A. setzt hierbei strikt auf Automatisierung: Handelsblatt

Aktuell sollen schon 45.000 Roboter in den weltweiten Lägern von A. aktiv sein. Und davon bleibt auch Deutschland nicht ausgenommen: heise.de zu den Logistikrobotern

In Großbritannien ist man schon weiter mit der Roboterisierung:
wired.com zum vollautomatisierten Lager bei Ocado

Ist wenigstens der Job an der Kasse sicher? Kurzfristig schon, aber auch hier sind die Anstrengungen groß, Personal einzusparen, mal wieder besonders bei A.: golem.de zu Amazons automatischer Kasse in Erprobung .Dem wird sich auch Rewe nicht entziehen können. Gleichwohl ist diese Entwicklung unabhängig von der Rewe-Ansiedlung des Riesenlagers, rundet das Bild aber ab, welches sich zunehmend von der Zukunft der Supermärkte insgesamt abzeichnet.

Wird A. nun auch den Lebensmittelhandel im Internet monopolisieren? Vermutlich nicht, denn diesmal sind die deutschen Handelsketten gewarnt. Auch Rewe hält hier wacker die Stellung: spiegel online zu Rewe’s Öffnung als E-Commerce-Plattform

Einerseits kann der Online-Supermarkt Jobs vernichten, gleichwohl werden anderweitige neu geschaffen. Wenn man sich einmal das Jobangebot beim Rewe Lieferservice für Auslieferungsfahrer ansieht, fällt auf: Im Großraum HH sucht man für HH-Billbrook (Liste der Jobs beim Rewe Lieferservice Stand 28.08.2017). Das klingt plausibel, solange man von dort nicht irgendwann auch entlang der A7 und westlich davon liefern möchte. Denn wann möchte man typischerweise eine Lebensmittellieferung annehmen, wenn Frischwaren enthalten sind, die lieber nicht beim Nachbarn ungekühlt im Flur stehen sollen? Abends, wenn man schon sicher zuhause ist. Oder früh morgens, bevor man selbst los muß. Zeiten, zu denen man von einem Lieferfahrer schwerlich erwarten kann, von HH-Billbrook aus auch noch Henstedt-Ulzburg, Quickborn oder gar Elmshorn pünktlich mit der mitunter sensiblen Kühlware zu erreichen. Also wird man bei steigender Nachfrage der Lebensmittel-Lieferung flexibel auf dieses Wachstum reagieren müssen.

Rewe hat das offenbar fest im Blick. Schaut man sich auf http://rewe-hu.de/ direkt das Bild des Riesenlagers an und beachtet die rechte obere Ecke, so fällt die Beschriftung „Reservefläche“ auf. Unter http://rewe-hu.de/mediathek/ (dort „Modellblick von oben„) erkennt man noch besser, wie groß diese Erweiterungsfläche ist. Rewe möchte damit bei Bedarf die Lagerkapazität erhöhen. Zitat: „Dies hat dann nicht zur Folge, dass daraus mehr LKW-Verkehre entstehen, sondern grundsätzlich weniger.“ (http://rewe-hu.de/faqs/, dort „Welche Auswirkungen hätte eine Erweiterung auf den LKW- und PKW-Verkehr?“ aufklappen). Das würde im Fall eines zusätzlichen Betriebsteils für den Online-Supermarkt sicherlich zutreffen, da die Fahrzeuge ähnlich wie bei Paketdiensten als PKW zählen (Führerschein Klasse B/früher 3 wird gefordert, Zitat Stellenanzeige: „… Fahrerlaubnis der Klasse B bis 3,5 t …“, per Stand 28.08.2017 Stellenanzeige hier). Diese deutlich kleineren Lieferwagen würden dann in alle Richtungen ausschwärmen, potentiell auch Ziele östlich und südlich von H-U beliefern. Dafür würden sie zahlreich durch H-U fahren müssen und sich erst hinter der Kreuzung an der Schleswig-Holstein-Straße verteilen. Und das angesichts der Abhängigkeit von den Arbeitszeiten der Kunden besonders zu den Hauptverkehrszeiten. Das selbst auferlegte Durchfahrtverbot bezieht sich übrigens nur auf LKW: „Verkehrskonzept 2.0“.

Hier müssen wir uns alle fragen, ob wir zusätzlich zum LKW-Risiko (bei Stau auf der A7 auch durch Henstedt-Ulzburg hindurch!) in naher Zukunft unseren Stau auch noch mit Kolonnen von Rewe-Lieferdienst-Fahrzeugen teilen möchten?

Obige Betrachtung zeigt: Welcher Automatisierungsgrad im Rewe-Lager zu erwarten ist, kann heute nur erahnt werden. Bei Betrachtung von stationärem Einzelhandel, Filialbanken oder auch Telefonbuchverlagen muss man feststellen, daß deren Geschäftsmodell durch Digitalisierung stark unter Druck geraten ist und viele der früher stark nachgefragten Leistungen drastisch reduzierte Arbeitsplatzzahlen beitragen. Amazon zeigt im neuen Lager Winsen/Luhe wie es gehen kann. Da letztlich jeder Konkurrent bei den Kostenstrukturen auf Augenhöhe bleiben muß, wird man kaum erwarten können, daß Rewe sich dem nur uns Henstedt-Ulzburgern zuliebe verschließen kann. Und das Engagement beim Online-Supermarkt ist bei Rewe ambitioniert. Daraus muß jede Bürgerin und jeder Bürger seine eigene Erwartungshaltung an die nahe Zukunft ableiten. Ist der Standort in Henstedt-Ulzburg erstmal errichtet, sind wir auf die Zuschauerrolle reduziert.

Mit dem Bürgerbegehren jedoch sind wir die Entscheider. Bitte unterstützen auch Sie das Bürgerbegehren und treffen Sie an der Wahlurne Ihre eigene Wahl.

 

 

Hier einige Infos von dem geplanten Vorhaben,  soweit bisher bekannt…

( Tipp: Wenn Sie ein Bild anklicken, erscheint es größer und in einem eigenem Fenster. )